Pferde

Pferde und Pferdehaltung für Selbstversorger

Pferde sind der Traum vieler Selbstversorger. Den eigenen Garten mit dem Pferd umpflügen, ausreiten und Kutsche fahren, all das klingt so schön. Doch wie sieht es in der Realität aus ?

 

Pferde brauchen viel Platz !

Selbstversorger-PferdeAls erstes brauchst du ein passendes Grundstück. Das bedeutet, eine große Wiese, etwa 1 Hektar pro Pferd, wenn du nicht das ganze Futter zukaufen möchtest. Sinnvoll ist es deine Pferde nicht auf der ganzen Wiese herumlaufen zu lassen, da du sonst zu wenig Ertrag an Futter hast. Man ist besser beraten, wenn man den Pferden nur eine kleinere Koppel mit unterstand zur Verfügung stellt, anstatt sie die gesamte Wiese zertarmpeln zu lassen.

 

Welche Pferderassen eignen sich ?

Selbstversorger-Pferde-1Für Selbstversorger eignen sich eigentlich nur die Robustpferde, so im Besonderen Haflinger, Fjordpferd und die kleineren Ponyrassen wie z.B. Shetlandponys, die die stärksten Pferde im Verhältnis zu ihrer Größe sind. Wenn diese Pferdchen einen Offenstall haben kannst du sie ganze Jahr lang auf der Koppel stehen lassen. Ja die nordischen Ponys fühlen sich bei Regen und Schnee erst richtig wohl und du wirst sie kaum in ihrem Unterstand sehen.

Shetlandponys sind eigentlich Ideal für den Einstieg. Sie sind im Vergleich zu anderen Pferden sehr Robust, stark und langlebig, bis zu 40 Jahren. Mit einem Gespann kannst du Pflügen und Kutsche Fahren nur mit dem Reiten wird es schwierig, da man den Rücken je nach Shetlandpony mit maximal 40-50 kg belasten darf. Es ist also nur ein Kinderreitpony. Bei kleineren Gartenarbeiten wie anhäufeln oder eggen reicht auch ein Shetty.

Bei Haflingern oder Fjordpferden kannst du natürlich auch nur mit einem Pflügen oder Kutsche fahren und zum Reiten eigenen sie sich sowieso.

 

Wie viele Pferde soll man halten ?

Pferde-5Normalerweise sollte man mindestens 2 Pferde halten. Ob die beiden nun zu ein und der selben Rasse angehöhren ist nicht entscheidend. Du kannst dir also einen großen Kaltblüter neben ein kleines Falabellapony stellen. Entscheidend ist der soziale Kontakt zu anderen Pferden. Als Alternative gehen auch Schafe, aber dies ist nur als eine Notlösung anzusehen.

 

Sind Arbeitspferde ökologisch und ökonomisch ?

Ich halte nun seit einigen Jahren eigene Ponys und kann nur meine eigene Meinung und Erfahrung hier wiedergeben.

Es macht einen schon ein wenig stolz und glücklich wenn man seinen Acker mit dem eigenen Pferd bestellt, denn mit einem Traktor kann das fast jeder.

Zuerst gehe ich nun auf den ökologischen Aspeckt ein

Das große Problem mit den Pferden ist der enorme Futterverbrauch. Wenn du die Pferde nur auf einer kleinen Koppel stehen läßt mußt du spätestens jeden 2. Tag frisches Grünfutter bereitsellen. Das bedeutet du mußt jeden 2. Tag mähen. Das kannst du entweder mit einem Pferdemähwerk, der Sense oder mit einem Motorbetriebenen Gerät machen. Du wirst dich allerdings sehr bald für einen kleinen Traktor entscheiden, spätestens wenn du in eine Regenperiode kommst, wo es besonders mühsam ist mit dem Pferdemähwerk und der Sense Gras zu mähen. Zudem muß Heu gemacht und gepreßt werden da du pro Jahr nur etwa 7 Monate Grünfutter füttern kannst. Am Ende des Jahres wirst du somit einen ganz imensen Verbrauch an Treibstoff haben, viel mehr als wenn du nur einen Selbstversorgergarten betreiben würdest. Von dem Diesel, den ich für die Pferde verbrauche, kann ich 5 Jahre lang meinen Garten bearbeiten und tonnenweise Ernte einfahren, da ist aber noch nicht das zugekaufte Heu und das Stroh mit eingerechnet. Ökologischer Sicht betrachtet rechnet sich das also nicht.

Und wie ist es aus ökonomischer Sicht ?

Aus ökonomischer Sicht ist das ganze noch viel schlechter. Zum einen sind die Unterhaltskosten der Pferde natürlich viel höher als die Pferde wieder erarbeiten werden. Du brauchst das ganze viele Land, das dir keinen Nutzen außer das Futter für die Arbeitstiere liefert, du hast aber keinerlei Gewinn, sondern nur Kosten. Im Winter brauchst du Heu und Stroh, das du wahrscheinlich zukaufen wirst. Von der Zeit die du investierst wollen wir erstmal gar nicht reden, das ist viel mehr als du in deinem Selbstversorgergarten verbringst, der dir aber tatsächlichen Nutzen bringt. Die Anschaffungskosten der Pferde und des benötigten Zubehöhrs liegen in etwa genauso hoch wie die eines alten kleinen Traktors. Wenn du deine Weide zusätzlich noch kaufen mußt kommst du mit einem Traktor schon wesentlich günstiger weg.

 

Welches Pferdezuberhör braucht man ?

Selbstversorger-Pferde-2Für die Garten oder Feldarbeit mit Pferden braucht man allerhand Geräte. Als erstes brauchst du natürlich ein gutes Arbeitsgeschirr für dein Pferd. Mit einem normalen Geschirr, das für Kutschfahrten ausgelegt ist, wirst du keine große Freude haben. Du brauchst also ein Arbeitsgeschirr und ein dazu Passendes Ortscheit.

Das wichtigste Gerät ist ein guter Wagen, also ein Pritschenwagen der zu deinem Pferd oder deinem Gespann in der Größe passt. Mit einem Pferd in der Größe eines Haflingers wirst du einen 1-1,5 tonner Wagen benutzen können, bei 2 Pferden einen 2 Tonner. Shettys entsprechend kleiner. Mit einem solchen Wagen kannst du also allerhand transportieren.

Als nächstes brauchst du einen Beetpflug mit Messersech zum pflügen und für Kartoffeln zusätzlich einen Häufel- und Rodepflug.

Das nächste wäre eine Netzegge, mit ihr kannst du deine Wiese eggen, Kartoffeln und Getreide striegeln und wenn du sie umdrehst hast du eine Schleppe um dein gepflügtes land wieder glatt zu machen.

Für die Futter- und Heugewinnung brauchst du ein Pferdemähwerk, einen Heuwender und Tigerrechen, oder einen Trommelschwader.

Das wären fürs erste die wichtigsten Arbeitsgeräte, daneben gibt es noch eine ganze Fülle weiterer Maschinen, Sähmaschine, Grubber, Walzen usw. , alles was das Herz und der Geldbeutel so hergeben.

 

Resümee

Wer die Zeit und die Liebe zu den Pferden hat, für den ist die Pferdehaltung ein schöns Hobby, das steht außer Frage. Aber man sollte die ganze Sache realistisch sehen. Wenn man John Seymour`s Buch „Leben auf dem Lande“ ließt, klingt alles so einfach und so plausibel, ja es entsteht der Eindruck das Arbeitspferde optimal und eigentlich unabdingbar für einen Selbstversorger sind, aber ganz so einfach wie es scheint, ist es denn in der Praxis doch nicht.

So ist es meiner Meinung nach wirtschaftlicher und einfacher sich einen guten Einachser oder einen kleinen Traktor anzulegen, je nachdem wieviel Land man bewirtschaften möchte. Bedenke auch, dass du bei der Pferdearbeit nie alleine arbeiten solltest, da dies einfach zu gefährlich ist. Du brauchst also immer eine zweite Person die dir hilft. Dein Motorgerät kannst du einfach aus machen, dein Pferd nicht.

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig Überblick, über das Für und Wieder der Pferdehaltung als Selbstversorger verschaffen. Wenn du dich für Arbeitspferde entscheidest, dann belege einen Kurs oder lasse dich von jemanden anlernen der gut mit Arbeitspferden umgehen kann, denn die Arbeit mit Pferden ist nicht ganz ungefährlich.

Weitere Infos findest du bei der Interessengemeinschaft Zugpferde e.V.

 

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