Kaninchen

Kaninchen halten ist bei Selbstversorgern sehr beliebt. Neben den Hühnern und Enten gibt es kaum eine Tierart die so gut geeignet ist für einen Selbstversorger wie die Kaninchen. Das Kaninchen oder auch Stallhase genannt, ist leicht zu halten, relativ gut zu vermehren und liefert neben Fleisch auch einen guten Pelz. Bevor du dir nun Kaninchen anschaffst gibt es aber einiges zu beachten.
So fallen die Kaninchen im Gegensatz zu den anderen Nutztieren nicht unter die „Verordnung zum Schutz gegen die Verschleppung von Tierseuchen (ViehVerKV)“.
Das bedeutet für dich, du brauchst deine Kaninchen nicht beim Veterinäramt anmelden.

 

Fütterung der Kaninchen

 

Kaninchen-2Kaninchen haben im Verhältnis zu anderen Tieren einen sehr langen Darm. Dieser befähigt das Kaninchen dazu, auch aus nährstoffarmen und rohfaserreichem Futter genügend Nährstoffe heraus zu ziehen.
Eine Überfütterung mit stärkehaltigem Futter wie Mais oder Stärkekartoffeln darf im besonderen bei Jungtieren nicht übertrieben werden, da Stärke in den Dickdarm gelangen kann und dort die Mikroorganismen stört.
Ähnlich ist Situation bei der Verfütterung von sehr eiweißreichem Futter. Eine zu schnelle Umstellung von Heu Winterfütterung auf eiweißreiche Futtermittel wie Luzerne führt häufig zu einer starken Belastung mit Clostridien.

75% des Futters sollten frisches kräuterreiches Gras mit Klee und Luzerne oder Heu sein. Die restlichen 25 % bestehen aus Gemüse, Kartoffeln, Rüben und Topinambur.
Laub von Brombeeren, Futterrüben sowie Äste und Zweige von Weiden sind ein besonders wertvolles Ergänzungsfutter.
Bei Zugabe von Getreide und Getreideprodukten sollte man Aufgrund des hohen Stärkeanteils vorsichtig sein. Weizen sollte das Kaninchen nicht bekommen. Hafer und Gerste ist als Kraftfutter geeignet, wenn es in geringen Mengen gegeben wird.

Das Trinkwasser wird den Kaninchen am besten aus Nippelflaschen gegeben, diese ist bei weitem hygienischer als Tieren eine offene Wasserschale zu geben, die sie ständig verschmutzen.

 

Kaninchen und ihre Krankheiten

 

Leider sind Kaninchen etwas empfindlich und daher würde ich sie in der Rangliste der geeignetsten Selbstversorger Nutztiere an dritter Stelle nach den Hühnern und Enten setzen.

Kaninchen reagieren empfindlich auf mangelnde Hygiene, schlechtes Stallklima und falsche Fütterung.
Der mangelnden Hygiene kann man durch geeignete Haltungsformen vorbeugen.
Bei der Fütterung ist peinlichst genau darauf zu achten kein an gewelktes Gras zu verfüttern. Besonders empfindlich sind die Kaninchen in der Umstellungsphase von säugen auf Futteraufnahme von festem Futter. Darmerkrankungen sind in dieser Zeit eine häufige Todesursache, da stärke- und eiweißreiche sowie rohfaserarme Futtermittel die noch nicht voll entwickelte Darmflora überlasten.
Wichtige Krankheiten, die deine Zucht gefährden können sind die Kozidiose, welche zu Druchfall führt, Myxomatose und der Kaninchenschnupfen.
Wenn du dich für Kaninchen entscheidest solltest du darauf gefasst sein, das du manchmal erhebliche Verluste hinnehmen mußt. Verschiedene Quellen geben hierzu Quoten bei gewerblicher Haltung an, wobei die durchschnittliche Todesrate bei Jungtieren bei etwa 20% liegt.
Die Häufigsten Todesursachen sind:
totbeißen durch die Mutter
Unterkühlung durch verstreuen und verlassen der Jungen aus dem Nest
bakterielle Infektionen
zu wenig Milch der Zippe

 

Kaninchenhaltung, aber wie ?

 

Kaninchen-3Kaninchen vertragen keine Nässe und müssen vor zu hohen Temperaturen geschützt werden. Ab 25 Grad C wird es für die Kaninchen schon langsam etwas zu warm. Achte also darauf, dass der Kaninchenstall im Schatten steht. In der Natur flüchtet bei solchen Temüeraturen das Kaninchen in seinen Bau und verbringt dort etwa 80% der Zeit.
Einige Züchter kühlen die Tiere durch Ventilatoren, da die Stallhasen aber keine Zugluft vertragen, solltest du das nicht machen.

Am weitesten verbreitet ist die Haltung von in sogenannten Buchten. Daneben gibt es aber auch noch andere Arten der Haltung, die ich hier kurz vorstellen möchte.

Die Kaninchenbuchten

Wie ich bereits im Kapitel „Kaninchen und ihre Krankheiten“ geschrieben habe, ist Hygiene für die Gesundheit der Kaninchen außerordentlich wichtig.
Und hier beginnt das Dilemma mit den Buchten. Entweder man verbaut einen durchgängigen Boden der nach hinten um etwa 2-10% geneigt ist, damit der Urin ablaufen kann oder man verbaut einen Gitterboden. Der Gitterboden ist in Deutschland und einigen anderen Ländern sehr umstritten, da es zu Verletzungen an den Füßen kommen kann. Daneben gibt es auch noch die Haltung auf Lattenböden.Die Latten sind etwa 25mm breit und sind in einem Fugenabstand von 14mm angebracht.
Sowohl bei einer Platte als Boden, als auch bei den Gitter/Lattenböden sollte viel Einstreu verwendet werden. Eine Haltung auf reinem Gitterboden, wie es in der gewerblichen Kaninchenhaltung oft anzutreffen ist, auch wenn es hygienisch und arbeitssparend ist, sollte man verzichten.
Dem Kaninchen sollte in seiner Buchte auch eine Art Bau zur Verfügung gestellt werden, da Kaninchen zwar Licht brauchen, aber auch gerne sich in dunklen Bereichen aufhalten. Diese Höhle muß so groß sein, das das Kaninchen ausgestreckt darin liegen kann und sich auch bequem hinsetzen kann.
Richtwerte für Kaninchenbuchten:

Zwergrasse ( bis 2 kg) 60x50x40 (lxbxh)

kleine Rassen (bis 3,5 kg): 70x60x50 (lxbxh)

mittlere Rassen (bis 5 kg) 90x70x55 (lxbxh)

große Rassen (größer als 5 kg) 110 x 70 x 60 (lxbxh)

 

Kaninchenhaltung in Kolonien

 

Kaninchenhaltung in Kolonien bedeutet, man hält mehrere Kaninchen zusammen als Gruppe. Diese Kannst du entweder im Freien oder im Stall halten.

Bodenhaltung innerhalb eines Gebäudes

Kaninchen

Bei der Bodenhaltung werden mehrere Kaninchen gruppenweise oder auch einzeln in Boxen gehalten. Der Selbstversorger wird seine Kaninchen auf Einstreu halten, im gewerblichen Bereich sind aber auch Spaltböden nicht unüblich. Innerhalb der Stallboxen werden kleine Höhlen in Form von Holzkisten bereitgestellt, in welchen die Kaninchen eine Rückzugsort sowie ihre Jungen zur Welt bringen können. Für jede Häsin muß eine Höhle zur Verfügung stehen.

Freilandhaltung

Unter Freilandhaltung versteht man, wenn die Tiere keinen Zugang zu einem festen Stallgebäude haben.
Die Tiere leben in einen Eingezäunten Gehege im Außenbereich. Das Gehege sollte genügend Bewuchs aufweisen, damit die Kaninchen nicht im Dreck leben müssen.
Bei großen Gehegen ist eine Zufütterung in der warmen Jahreszeit nur selten notwendig. Im Winter wird zugefüttert. In kleineren Gehegen ist eine permanente Zufütterung zwingend geboten.
Der Zaun kann entweder fix installiert sein oder mobil sein. Den Häsinen werden auch in der Freilandhaltung Höhlen und Wurfkästen zur freien Verfügung gestellt.

Zwischen Buchtenhaltung, Bodenhaltung und Freilandhaltung sind in der Praxis zahlreiche Mischformen anzutreffen. So z.B. Bodenhaltung mit Freilaufgehege oder Sommerhaltung im Freilaufgehege und im Winter in Buchten usw.

Mobile Weidekäfige

Weidekäfige sind besonders bei dänischen Züchtern seit Jahrzehnten beliebt. Ein Weidekäfig hat sollte in etwa 2-3m² groß sein. Der Boden ist mit Latten zugenagelt. Die Latten haben einen Abstand von 6 cm zueinander, so kann von den Kaninchen das Gras zwischen den Latten gefressen werden. Ein ausgraben aus dem Käfig ist somit nicht möglich.
Eine geschützter Bereich, eine Höhle, ist zwingend erforderlich und dient als Rückzugsort sowie als Wurfbox für die Häsin.
Für Selbstversorger die den nötigen Platz haben sind Weidekäfige eine sinnvolle Haltungsform. Der Boden wird gut gedüngt, die Kaninchen bekommen frisches Gras und die Kaninchen können durch den wechselnden Standort sehr sauber gehalten werden.

 

Vermehrung der Kaninchen

 

Kaninchen-1Im Vergleich zu den Enten und Hühnern, mußt du deine Kaninchen schon etwas bei der Vermehrung managen.
Kaninchen können bereits ab etwa 10 Wochen geschlechtsreif werden. Für eine Zucht ist das jedoch zu früh. Warte bis die Kaninchen ausgewachsen sind, was du am besten über das Gewicht der Kaninchen bestimmst. Ein mittel großes Kaninchen ist mit etwa 3,5 kg ausgewachsen, was im 6.-7. Lebensmonat erreicht sein sollte. Du kannst also als grobe Faustregel annehmen, das deine Kaninchen mit 7 Monate zur Zucht reif sind.
Möchtest du nun deine Häsin von einem Bock decken lassen, dann bringe die Häsin zum Bock und nicht den anders herum.
Der Eisprung wird meistens direkt durch den Deckakt ausgelöst. Du kannst also nach wenigen Minuten die Häsin schon wieder vom Bock weg nehmen. Um sicher zu gehen, dass die Befruchtung der Eier auch geklappt hat, läßt man den Bock mehrmals decken.
Nach etwa 30 Tagen Tragzeit wirft die Häsin ihre nackten und blinden Jungen in die Wurfbox. Fasse die kleinen Kaninchen in den ersten Tagen nicht an, der Fremdgeruch kann dazu führen, dass die Häsin ihre Jungen tot beißt, da sie die kleinen durch den fremden Geruch nicht mehr als ihre eigenen Jungen erkennt. Sollten tote Jungen in der Box entferne diese, achte aber immer darauf möglichst keinen der anderen Jungen anzufassen. Sind kleine aus dem Nest gerutscht, dann nimmt man etwas Heu in die Hand und versucht sie so wieder zurück ins Nest zu stecken.
Ab dem 7. Tag öffnen die Jungen ihre Augen und Fell beginnt richtig zu wachsen.
Nach 2 Woche werden die Kleinen munter und verlassen auch mal ihr Nest.
Nun kannst du sie auch mal streicheln und langsam an den Menschen gewöhnen.Ab der 3. Woche werden die kleinen richtig agil. Du kannst ab jetzt Heu zufüttern, aber achte darauf das sie nicht zu viel Stärke und Eiweiß abbekommen, sonst streben die kleinen.
Ab der 6. Woche stellt sich der Darmtrakt und die Darmflora auf feste Nahrung um. Dennoch werden die Jungen noch weiter von der Häsin gesäugt.

Nun, sechs Wochen nachdem das Weibchen ihr Jungen bekommen hat, kannst du die Häsin erneut zum Bock bringen und wieder decken lassen. Nachdem die Häsin gedeckt ist, kommt sie zu den Jungen zurück.

Zwischen der 8. und 9. Woche trennst du die Jungen von der Häsin. Du kannst nun die kleinen verkaufen oder selbst weiter groß ziehen. Da unsere kleinen Stallhasen ab der 10. Woche geschlechtsreif werden, mußt du sie nach Weibchen und Männchen trennen. Machst du das nicht, bekommst du erstens Inzucht und zweitens sind die kleinen Zippen noch viel zu jung.
Im alter von 4 Monaten sollten bei guter Fütterung deine Tiere schlachtreif sein.

 

Kaninchenrassen

 

Für Selbstversorger sind besonders die mittel schweren Kaninchenrasse geeignet.
Die mittelschweren Kaninchenrassen erreichen zwischen drei und fünf Kilogramm Endgewicht. Die idealen Kaninchen für Selbstversorger sind weiße und rote Neuseeländer oder weiße und graue Wiener. Diese Rassen wachsen schnell, geben einen guten Braten und verbrauchen nicht übermäßig viel Futter.
Die schweren Rassen wie deutsche Riesen, deutsche Riesenschecken und deutsche Widder, erreichen zwar bis zu 10 Kilogramm Endgewicht, sind aber weniger für den Selbstversorger geeignet, da sie sehr viel Futter brauchen, bis sie dieses Gewicht erreichen.
Die kleinen Kaninchenrassen sind einfach zu klein um einen vernünftigen Braten abzugeben. So bräuchtest du dann 2 Kaninchen um ein gutes Familienessen zu kochen. Diese brauchen aber wieder mehr Futter und mehr Buchten usw. als eine mittlere Kaninchenrassse.

 

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